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Sonntagsfreude

16. März 2014

Mein Grosser ist ein vorsichtiger Junge. Er wagt sich immer erst an etwas, wenn er überzeugt ist, dass er es auch 200% sicher kann. Das zeigte sich schon ganz früh. Lief er bereits mit etwa 13 Monaten sicher an meiner Hand, ging es aber noch gute 4 Monate, bis er sich entschied, dass er diese (Proforma)Stütze nicht mehr brauchte. Mit 17 Monaten lief er dann, mein kleiner Knirps, sicher und souverän und fiel dabei fast nie um – als hätte er nie was anderes getan…

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Langes vorsichtiges Zuwarten, genaues Beobachten und dann, wenn die Zeit reif ist, mutig den Schritt wagen und erfolgreich sein – dieser Charakterzug zieht sich nun durch sein fast sechsjähriges Leben.

Deshalb hätte mich die heutige Sonntagsfreude gar nicht überraschen dürfen… Und doch, sie haute mich um und rührte mich zu Sonntagsfreudentränen…

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Der Grosse kann jetzt Rad fahren! Er umradelte uns heute stolz grinsend und kein bisschen schwankend. Und das kam so:

Neuzeitliche Eltern, wie wir nunmal sind, besorgten bzw. liessen wir unserem jungen Spross schon früh ein hübsches hölzernes Laufrad besorgen, nur um ernüchtert festzustellen, dass die Begeisterung des Jungen  aus der Ferne am Grössten war. Als er sich etliche Monate später endlich auf den Sattel schwang, oje, war es in kürzester Zeit zu klein…

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Um das gewonnene Gleichgewicht ja nicht zu verlieren, machten wir uns, jetzt wieder voller Elan und Gewissenhaftigkeit, auf in den nächsten Veloladen und kauften ein Fahrrad. Kaum zu Hause setzten wir unseren Jüngling auf den Sattel, doch der schrie wie am Spiess und liess sich erst beruhigen, als wir das Gefährt in den Keller weg sperrten. Tage, Wochen, Monate vergingen… Die gleichaltrigen Nachbarskinder  beherrschten das Fahrradfahren längst im Schlaf, der gesellschaftliche Druck stieg und wir armen Eltern dachten mit bangem Herzen an das verkümmernde Kinderfahrrad im Keller. An einem wunderschönen Frühlingswochenende machten sich daher engagierte Eltern und ein mehr oder minder begeisterter Junge auf in die nächste Trainingsrunde. Die Begeisterung hielt auf allen Seiten nicht sehr lange. Das dank Laufrad gewonnene Gleichgewicht war (logischerweise) nicht mehr vorhanden und unser Grosser hing unsicher in den Seilen auf seinem Velo, Vater und Mutter klagten über Rückenschmerzen. Die weniger geduldige Mutter gab auf, der Vater startete noch einige Versuche, bis der Grosse bestimmt meinte: „Ich will noch nicht Velofahren! Das ist blöd!“. Damit war das Thema vom Tisch. Die gleichaltrigen Nachbarskinder fuhren uns immer noch emsig um die Ohren, Bekannte fragten skeptisch-besorgt, ob denn „Unserer“ noch nicht fahren könne?  Doch uns liess das alles meist kalt – seine Zeit würde kommen…

Anfang dieses Jahres bemerkte der Grosse: „Eigentlich könnte ich doch langsam Fahrrad fahren. Ich bin bald sechs!“

Wir Eltern wechselten einen überraschten Blick und meinten: „Klar, wenn du dafür bereit bist…“

Heute, bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns also auf den Weg zum nächsten Pausenplatz. „Mach du“, meinte der Mann und ich stellte mich auf einen rückenschmerzenden Nachmittag ein. Ich hielt den Gepäckträger fest, der Grosse stieg auf und… fuhr davon…!!! Eigentlich hätte mich die heutige Sonntagsfreude gar nicht überraschen dürfen – ich kenne meinen Jungen doch mittlerweile ziemlich gut… Und doch, wie er so freudestrahlend auf dem Platz herumkurvte, bremste, selbstständig wieder anfuhr, sich zwischen den Basketballkorbstangen hindurchschlängelte und schelmisch zu mir rüber grinste, diese Sonntagsfreudentränen konnte ich mir nicht verkneifen…

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Das Sammeln von Sonntagsfreuden ist eine Idee von Maria. Alle Sonntagsfreudensammlerinnen findet ihr hier.

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One Comment leave one →
  1. 18. März 2014 21:35

    Das ist eine tolle Sonntagsfreude ,jedes Kind hat sein eigenes Tempo .Viel Spaß beim cruisen durch die Gegend .lg galina

Ich freue mich sehr über jeden Kommentar... :-)

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