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Herbsttradition: Alpabzug

16. September 2013

Wenn es als Paar langsam ernst wird, treffen plötzlich auch zwei Familienwelten aufeinander. Jeder nimmt seinen familiären Hintergrund mit in die Beziehung. Neben verschiedenen Erziehungsstilen, Kommunikationsarten, Bindungstypen etc. hat jede Familie auch ihre ureigenen Traditionen. Da gibt es zum Beispiel den Umgang mit Feiertagen, nehmen wir mal Weihnachten. Ich finde es immer wieder spannend, wie unterschiedlich auch ein solch weit verbreiteter Brauch begangen werden kann. Zu Hause oder im gemieteten Saal? Mit sämtlichen Verwandten oder im kleinen Rahmen? Am 24ten, 25ten oder 26ten? Rollschinkli oder Fondue chinoise? Mit oder ohne Geschenke? Wenn mit, sind diese vom Christkind oder von den Eltern? Weihnachtsgeschichte und -lieder? Christbaum ja/nein? Weihnachten wird wohl so vielfältig gefeiert, wie es Familien gibt… Und nicht nur die Feiertage. Jede Familie kennt noch viele andere grössere und kleinere Rituale. Wie wird ein Geburtstag, ein Abschluss gefeiert, wie werden die Sommerferien üblicherweise verbracht, wie werden erste (Schul-)Tage gestaltet, wie das Zeugnis in Empfang genommen? Werden die Jahreszeiten speziell gewürdigt, besondere Initiierungsriten durchgeführt?

Oder auch ganz im Kleinen: Wie werden die Tage begonnen, wie abgeschlossen? Wie sehen die Zubettgeh-Rituale aus? Tischgebete oder Drauflos-Essen, sobald der Teller voll ist?

Wenn man dann als Paar eine Familie gründet, steht man früher oder später automatisch vor der Frage, was für Traditionen und Rituale man aus der eigenen Kindheit übernehmen möchte, welche in einer abgeänderten Form und welche man lieber gleich ganz weg lässt. Aber auch welche ganz neuen Traditionen man für die eigene Familie aufbauen möchte. So einiges ergibt sich fast automatisch, anderes ändert immer wieder und in einiges wächst man hinein. Was aus der eigenen Kindheit übernommen wird, passt man oft nach und nach an die eigenen Bedürfnisse an. Manche, vor allem grössere Traditionen (wie besagtes Weihnachtsfest), werden diskutiert, erprobt, verworfen, erneut besprochen usw… Und es gibt auch Traditionen, die sich erst nach längerer Zeit entwickeln, weil sich die Bedürfnisse der Familie ändern oder plötzlich ganz neue auftauchen.

Eigene Familientraditionen und -rituale zu haben, erscheint mir sehr wichtig. Sie geben Halt und Beständigkeit, schaffen Vertrauen und Nähe und stärken das Wir-Gefühl. Ich bin überzeugt, dass sie eine der Grundlagen sind, um Krisen und schwierigere Zeiten gemeinsam zu meistern. (Gilt übrigens ganz allgemein, z.B. auch in der Schule…)

Natürlich hat auch unsere Familie unzählige kleinere und grössere Familienrituale. Über eine eher Neue im Hause Raniso möchte ich hier gerne erzählen:

 

Letztes Jahr wurde ich von einer Arbeitskollegin auf die Alpabfahrt in Einsiedeln am kommenden Samstag aufmerksam gemacht. Ob das nicht was für meine Kinder wäre? Kurz entschlossen – der Liebste verschlief nämlich seine Feuerwehrübung – verfrachteten wir an besagtem Samstag unsere Kinder ins Auto und fuhren nach Einsiedeln.

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Vor imposanter Kulisse durften wir da die schön geschmückten Kühe und Ziegen, aber auch Schafe, Esel, Ponys, Lamas, Schweine etc. mit ihren Sennen durch das Dorf spazieren sehen. Sehr eindrücklich für die Kinder, erinnerungsträchtig für mich – so einige Male habe ich in meiner Kindheit mit meinen Cousinen zusammen die Kühe meines Onkels ins Tal begleitet…

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Als ich so in Erinnerungen schwelgend meine herbstlich angezogenen Kinder betrachtete, überkam mich der Herzenswunsch, jedes Jahr als Familie einer solchen Alpabfahrt beizuwohnen, als Herbstbegrüssungs-Tradition sozusagen…

 

Fast ging mein Vorsatz jedoch wieder vergessen, hätte mich meine liebe Arbeitskollegin nicht letzte Woche auf das Thema angesprochen. Und so kam es, dass ich mich mit den Kindern, meiner Schwester und einer Freundin – der Liebste verschlief dieses Mal leider nicht – letzten Samstagmorgen wieder ins Auto setzte und über sanfte grüne Hügel nach Urnäsch ins Appenzell fuhr.

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Ganz anders, viel traditioneller, durften wir den Alpabzug hier erleben, uns nebenbei auf dem Dorfplatz kulinarisch verwöhnen lassen und (mit ein wenig Unbehagen) dem Säulirennen beiwohnen.

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Zu sehen, wie gut es meinen Kindern gefiel, einfach dazustehensitzen und den Kühen bei ihrer Rückkehr zu zusehen und zu hören, wie gut sich vor allem mein Grosser noch an letztes Jahr erinnern konnte, bestärkte mich sehr.

 

Ich freue mich schon darauf, irgendwann einmal den Schafabzug von Gemmi nach Leukerbad hautnah miterleben zu können – wenn dann auch die Kleinste wandertechnisch ein wenig geübter ist…

Bis dahin freue ich mich auf nächstes Jahr! 🙂

 

 

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6 Kommentare leave one →
  1. 17. September 2013 13:11

    Solche Traditionen und Rituale tun einfach gut, wie Du schreibst in allen Bereichen des Alltags und Lebens. So einen Almabtrieb (wird es bei uns genannt) würd ich auch gerne einmal miterleben. Alles Liebe, Martina 🙂

    • 21. September 2013 21:51

      Na dann, sofort einschreiben in den Kalender für den Herbstanfang 2014… 😉 Ganz liebi grüäss, anja

  2. 17. September 2013 20:27

    da wäre ich gerne mitgekommen!
    herzliche Grüsse aus der fernen Stadt!

    • 21. September 2013 21:52

      Was nicht war, kann ja noch werden… Vielleicht nächstes Jahr?! 😉
      Ganz liebi grüäss, anja

  3. Galina permalink
    17. September 2013 21:59

    Für mich sind Traditionen auch sehr wichtig sie halten zusamen stärken das wir Gefühl und eure ist für den Herbst schön .Herbstgrüße für dich

    • 21. September 2013 21:53

      Danke liebe Galina! Herbstliche Grüsse zurück, die Sonne ist hier wieder zurück gekommen und die Temperaturen steigen wieder ein wenig 🙂
      Ganz liebi grüäss, anja

Ich freue mich sehr über jeden Kommentar... :-)

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