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Von Bergen und ihren Erklimmungen

7. August 2012

Ich bin eine Meisterin im Vor-mich-her-Schieben. Ehrlich! Es begann auf dem Gymnasium, steigerte sich im Studium und gipfelte in einigen seltsamen Arbeitsverfahren während meines Abschlusses. Immer alles in letzter Minute, kurz vor dem Abgabetermin. Ich erinnere mich gut an das Gefühl, wenn sich die Arbeit vor mir aufzutürmen schien und ich allen (vor allem meiner Mutter und später dem Liebsten) die Ohren voll jammerte. Stets wartete ich solange, bis mir nichts anderes mehr übrig blieb, als den Berg in letzter Sekunde mit einem Riesensprung zu erklimmen anstatt in den viel gepriesenen und schlaueren kleinen Schritten.

Nun, in letzter Zeit scheint sich das Ganze zu wiederholen, lest selbst:

(Jammerteil)

Im Moment sitze ich häufig spätabends da und wähne mich vor einem Berg Arbeit. Rechnungen sollten beglichen, Beeren verkocht, Briefe und Einladungen beantwortet, Kleider gestopft, geflickt oder sonst angepasst, und die allerallerletzten Dankeskärtchen verfasst werden. Und dann die vielen kleinen Dinge, die nicht wirklich gemacht werden müssen, mir jedoch am Herzen liegen. Fotoalben nachführen beispielsweise oder die „Kindererinnerungsbücher“ nachtragen oder Nähideen verwirklichen oder… Die Liste scheint endlos.

Und jetzt der Wiedereinstieg… Nicht mal mehr zwei Wochen, dann stehe ich nach einer Ewigkeit einem 3/4 Jahr Pause wieder vor einer neuen Klasse. Wisst ihr eigentlich, wie unglaaaaaublich viel es da vorzubereiten gibt???

(Anpackteil)

Vor drei Wochen – Erstes Sträuben überwunden. Lehrmittel aufgeschlagen. Nach 20min wieder weggelegt.

Vorgestern – Zweites Sträuben überwunden. Selber angefeuert: Jetzt aber!

Gestern und Heute – Schulzimmer eingeräumt, Lehrmittel erneut aufgeschlagen, darin vertieft und Idee! Noch mehr vertieft, Idee! Idee! Wie wild gekritzelt, recherchiert, gestöbert, geschmöckert, Idee! Idee! Idee! Gesummt, Wichtiges rausgeschält, eingegrenzt, Planungen erstellt, Material gesichtet, gepfiffen, noch mehr Ideen gehabt, gefreut.

(Fazit) 

Wenn nach langem Sträuben endlich angepackt wird, kommt es vor, dass man frau ich plötzlich wieder weiss, wieso ich diesen Beruf so liebe. In meinem Kopf und vor meinem inneren Auge entstehen wunderbare Unterrichtsstunden, ich erfreue mich an den tollen neuen Lehrmitteln und die Ideen sprudeln, so dass ich Mühe habe, mich einzuschränken. Vor allem aber freue ich mich auf die vielen neuen Gesichter. Der Berg ist verschwunden massiv geschrumpft.

Und plötzlich werden Sehnsüchte schwächer, nicht mehr so wichtig. Ich sehe, was das Leben sonst noch bringen kann… Aber pssst, das erzählt ihr keinem weiter, gell?! Ich weiss schliesslich, dass dieser bestimmte innere Frieden nur eine beschränkte Zeit anhalten wird… 😉

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10 Kommentare leave one →
  1. 8. August 2012 20:59

    Hihi, auch wenn ich (meistens…) ein vorbildlicher To-Do-Listen-Abarbeiter bin – ab und zu habe ich auch diese speziellen Momente, in denen ich alles solange vor mir herschiebe, bis ich ganz schnell ganz kreativ sein muß 😉 – und meist sind die Ergebnisse dann auch überraschend gut, weil sie anders, halt kreativ sind – als bräuchte es diesen besonderen „Kick“…
    (Und bei dem anderen Gedanken… ertappe ich mich auch, natürlich…aber auch hier psst! ;-))

    • 10. August 2012 23:05

      To-Do-Listen schreibe ich auch. Abarbeiten tue ich diese aber leider im Auf-den-letzten-Drücker-Modus… 😉 Ganz liebi grüäss, anja

  2. 8. August 2012 23:29

    Hui, dieses Vor-mir-herschieben kenne ich nur allzu gut. Darin bin ich Meister. 😉 Doch am point of no return ist meist die Kreativität und die Produktivität am größten, muss am Adrenalinkick liegen, hihi, erspart das Bungeejumpen.
    So, aber nun mal im Ernst: jeder hat sein Tempo, und Du machst es so, wie Du es für richtig hältst und damit gut! Ich wünsch Dir noch viele Ideen für Deinen Wiedereinstieg.
    Alles Liebe, Martina 🙂

    • 10. August 2012 23:07

      Naja, richtig finde ich es nicht immer, aber irgendwie kann ich meist nicht anders – vielleicht liegt es wirklich am Kick? 😉 Ganz liebi grüäss und Danke für die Wünsche! anja

  3. 9. August 2012 00:17

    kommt mir ja verdächtig bekannt vor 😉 Ich bin da wohl Mit-Meisterin, hihi… Aber ich freu mich jetzt vor allem mal für dich, dass die Freude dir auch wieder ein wenig mehr Motivation schenkt und du nicht mehr so erschlagen vor dem Berg an Arbeit stehst, sondern dich vorfreust auf die neuen gesichter (oh, schön, das höre ich besonders gerne- schliesslich hab ich ja auch Schulkinder und wünsche mir, dass sich da wer auf sie freut- wenn ich sie schon hergeben muss…). Bei mir ist das übrigens immer ähnlich, wenns ums Schreiben geht: Vor einem Blogpost bin cih immer wie…überfordert. Ich sehen bloss noch Fotos und finde nie die zeit zum Schreiben, die ich mir wünschte und trotzdem zieht es mich wieder und wieder vor dem Bildschirm zum Tippen… denn das Glückshefühl, wenn ich dann schreibe udnder Fluss in dem, was ich tue, sprechen eine ZU deutlische Sprache: Ich LIEBE das!
    Ich wünsche dir gaaaaaaaaaaaaanz vielEnergie und vieleviele Momente, in denen du belohnt wirstfür deine Arbeit. Mit Freude.
    herzlich Bora

    • 10. August 2012 23:09

      Ja stimmt, das Bloggen funktioniert auch hier oft ähnlich… Du ja, ich freue mich immer sehr sehr auf die Schulkinder, der Hauptgrund meiner Berufswahl… 😉
      Ganz liebi grüäss und danke auch dir, für die lieben Wünsche! anja

  4. 11. August 2012 10:31

    Oh ja – wenn man merkt, dass das Leben irgendwie auch andere schöne Seiten hat (ohne dass ich jetzt die Wunderbarkeit – was für ein Wort… – von Kindern und Familie schmälern will!!), dann wird es mit der Sehnsucht leichter. Ich mag meine Arbeit auch gern – und eigentlich bin ich sehr glücklich damit, beides zu haben und nicht auf einen Bereich komplett fixiert zu sein oder sein zu müssen.
    Das mit den „Bergen vor mir herschieben“ kenn ich übrigens. Seit über einer Woche soll ich z.B. einen Artikel zum Thema Schulanfang schreiben. Glaubst du, mir fällt was ein? Dabei war ich selbst mal Lehrerin und Kinder hätt ich auch *seufz*… aber am Montag muss ich was abliefern, d.h. wahrscheinlich, dass ich am Sonntag Abend mich dran setze und innerhalb kürzester Zeit etwas habe. Das war schon beim Studium so. Seminararbeiten… immer auf den letzten Drücker… aber vielleicht gibt es einfach so eine Spezies Mensch, die ohne Druck einfach nicht „kann“ 🙂
    Alles Liebe. maria

    • 15. August 2012 22:06

      Ich bin immer wieder beruhigt, wenn ich sehe und höre, dass es auch anderen so geht. Manchmal überfällt mich nämlich der Gedanke, dass ich doch nun schon längst erwachsen bin und dieses Problem längst ausgewachsen sein sollte *grins*.
      Ganz liebi grüäss, anja (ich hoffe, du hast den Artikel ausnahmsweise schon fertig ;-))

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  1. Was ich mag: Bloggerland im Alltag « raniso
  2. raniso

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