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Abschied

20. Juli 2012

Lange, lange schon geistert dieser Post in meinem Kopf herum. Gedanken schwirrten, Worte formten sich, zerfielen wieder, verbanden sich neu. Doch nie schien der Zeitpunkt passend, die Worte klar genug, mein Text ausgereift.

Auch jetzt noch nicht wirklich… Aber da schrieb Frau Kirschkernzeit diese Zeilen und sie passen perfekt – zu mir, zu meiner Situation. Und ich versuche es doch, Worte zu finden.

 

Seit mehr als 6 Monaten nehme ich Abschied. Ein Abschied, den ich so gar noch nicht will. Unsere Kleinste wächst, wächst so unheimlich schnell, lernt täglich Neues, entwickelt sich. Sie macht Fort-Schritte. Kleine Schritte vorwärts, ein Stückchen weg von mir. Und das ist natürlich auch gut so! Und doch…

Beim ersten Kind, konnte es nicht schnell genug gehen: Das erste Lächeln – da endlich! Das erste Drehen – wow, wir sind so stolz auf unseren Frühstarter. Das erste Greifen, Sitzen, Laufen…

Beim dritten Kind scheint die Zeit zu rennen, zu rasen. Was? Du kannst den Kopf schon selbständig heben? Oh, du drehst dich? Huch, du sitzt schon bald ganz allein!  Mensch, schon ein halbes Jahr um?…

Im ersten Jahr verändert und entwickelt sich ein Kind so unglaublich schnell. Ich staune darüber, freue mich – ja – und trotzdem möchte ich meiner Kleinen zurufen „Mach nicht so schnell, mein Kind! Lass dir um Himmelswillen Zeit!“

 

Vielleicht ist diese Sehnsucht nach einem Zeit-Verlangsamer auch deshalb so gross, weil es wohlmöglich wirklich das letzte Mal für mich ist, dies hautnah miterleben zu dürfen. Ich hätte gerne vier Kinder, das wünschte ich mir schon immer. Doch dafür braucht es immer zwei…

 

Wenn ich im Freundes- und Bekanntenkreis von meiner Traurigkeit und den Sehnsüchten erzähle, begegnet man mir allzu oft mit Unverständnis. „Du hast doch schon drei! Freue dich an dem, was du hast!“ oder „Hey, du hast doch eben erst geboren! Mach mal halblang!“ oder „Was? Du willst dir noch mehr Arbeit aufbürden?!“ Ja, ich habe erst vor einem halben Jahr geboren. Ich fühle mich gesegnet mit meinen drei Kindern und einem liebevollen Gatten und Vater. Ich bin glücklich und geniesse meinen Mutterberuf. Und trotzdem ist da diese Traurigkeit, die immer wieder auftaucht. Und es gibt Tage, da könnte ich mich hinsetzen und einfach nur weinen. Könnte, ich gebe diesem Drängen in mir nämlich nicht nach (und Zeit dazu habe ich eh keine :-P). Ich fühle mich noch nicht komplett, der Liebste hingegen fühlt sich schon fast überzählig. Fast wöchentlich erreichen mich Meldungen von Neugeborenen und ich freue mich sehr, wirklich sehr! Aber ehrlich: Es tut auch weh!

 

Und meine Kleine macht es mir auch nicht gerade leicht – sie macht seelenruhig Fortschritte, wächst und gedeiht… Und ich nehme Abschied um Abschied. Glücklich, traurig, heiter, sehnsüchtig, beschwingt, ein kleines bisschen ängstlich, freudvoll erwartend… Alles zur selben Zeit. Und die Zeit hält nicht an. Und das ist auch gut so. Punkt.

 

 

 

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13 Kommentare leave one →
  1. 21. Juli 2012 13:41

    Hm… das klingt so wehmütig. Und doch gut auch, glaube ich. Abschiednehmen ist immer schwierig. Ich weiß für uns noch nicht, ob vier Kinder vier bleiben, oder ob wir nochmal eines bekommen. Mit diesem Kind habe ich jedenfalls gelernt, dass es im Leben manchmal doch anders kommt, als man denkt oder vielleicht sogar fürchtet.
    Für mich und uns (obwohl wir beide uns eine große Familie wünsch(t)en ) war nach den Zwillingen eigentlich klar: das waren unsere „letzten“ Kinder. Es hat mich auch ein wenig wehmütig gemacht, wenn andere Kinder bekommen haben in der Zeit (und auch, wenn es das erste Kind derjenigen war und nicht ein drittes, viertes, fünftes…) – und dann tat sich das Thema ganz überraschend wieder auf, so als „hätte es sein wollen“… und es ist einfach gut so. Obwohl ich mich schon verabschiedet hatte irgendwie. Wenn auch nicht so ganz 100% überzeugt, das muss ich zugeben 😉 – ich habe Babykleidung verschenkt, nur ein paar ganz besondere handgemachte Stücke aufbewahrt usw. – denk dran: Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu machen 🙂
    Alles, alles Liebe. maria

    • 21. Juli 2012 14:52

      Danke für deine Worte – ich fühle mich verstanden 🙂 Und ja, ich bin gespannt, was das Leben noch mit sich bringt… Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt 😉 Ganz liebi grüäss, anja

  2. Marianne permalink
    24. Juli 2012 14:22

    Oh, Anja…. da geht es mir genauso wie Dir… ich hätte auch soo gern noch ein viertes, und eben, dazu braucht es zwei… Bei mir reicht auch die Zeit kaum mehr, bin ich doch schon einiges über 40…. Immerhin hast Du, wenn ich das richtig sehe, noch ein bisschen Zeit zu warten, vielleicht ändert sich am Entscheid ja noch irgendetwas. Ich wünsch es Dir! Herzlich, Marianne

    • 7. August 2012 22:31

      Ein schwieriges Thema, gell! Und irgendwie für eine Seite nie wirklich wirklich befriedigend abzuschliessen…
      Ja, ich bin gespannt, was mein noch eher junges Leben mit sich bringt. Ganz liebi grüäss, anja

  3. 24. Juli 2012 23:10

    Gerade habe lange an einem Post gebastelt, Worte hin und her geschoben, mich gefragt, ob ich das denn überhaupt veröffentlichen will – eben hab ich’s getan und bin dann noch auf eine kleine Blogrunde gegangen – und hier gelandet. Erkenne mich wieder (auch wenn es bei uns um das Dritte geht – aber auch hier das leidige Thema: es gehören zwei dazu) und fühle mich nicht mehr so alleine mit meinem „Problem“, mit dem Gefühl, undankbar zu sein – haben wir doch zwei gesunde Kinder und dieser tiefen Sehnsucht.
    Dankeschön für’s Aufschreiben!

  4. Tatjana Diezmann permalink
    6. März 2013 17:01

    Hallo Raniso,

    dieser Post von dir ist zwar schon lange her, aber ich bin erst jetzt über Kirschkernzeit auf deinen Blog gestoßen.Und zu diesem Post muß ich einfach meine gedanken niederschreiben, ich denke/hoffe Post verjähren nicht. Weißt du, ich kann total nachvollziehen was du fühlst. Wir haben 5 Kinder (innerhalb 10 Jahre:-)), ja, wir wollten das, BEIDE, viele Leute verstehen es nicht. Und jetzt beim letzten erfüllt mich auch eine tiefe Wehmut, da ich weiß, es ist jetzt einfach aus, und am meisten ärgert mich, dass der rund dafür eigentlich eher materieller/finanzieller Natur ist. Das macht traurig. Prinzipiell könnten wir uns nämlich noch 1 oder 2 vorstellen, aber in einem Reihenhaus? Was ist mit Platz, mit dem Auto? Dann ist es einfach so, dass man heutzutage von einem Gehalt nicht mehr wirklich leben kann, zumindest nicht, wenn der Mann eine Arbeit hat, bei der auch Zeit für die Familie übrig bleibt und und und. Und damit meine ich nicht irgendwelche Luxugüter, alleine was meine noch 3 (und ab September dann 4 Schulkinder in einem Monat für irgendwelchre Schulsachen ect brauchen, echt ein Wahnsinn. Und vieles nicht notwendig, hinterfragt man es aber bekommt man zur Antwort: Warum habt ihr soviele Kinder, wenn ihr es euch nicht leisten könnt? Ect ect. ich könnte viel davon erzählen. Und dann sitze ich oft da, schaue meine Zwerge an und bin nur glücklich, über sie, über uns, über unsere Entscheidungen, mit allen Auf und Abs, keine Frage, aber unterm Strich genießen wir die Kinder. Und mein trost bleibt, dass der Jüngste (er war im Dezember 2) sich noch nicht abgestillt hat, ich arbeite chon wieder, aber alles geht:-) und ich genieße es, einfach bis auch das zu Ende geht:-)
    Ich denke eben, wenn man so genau weiß, dass es das letzte Mal ist, dann genießt man es viel intensiver. Und was ich immer denke, man nimmt vieles auch gelassener, da man aus eigener Erfahrung weiß, dass alle Phasen (auch die anstrengenden) von alleine wieder vergehen, eben wenn sie ihren Zweck erfüllt haben.

    So, nun beende ich hier meine Gedankenergüsse, aber wir werden uns sicher wieder hören.
    Liebe Grüße aus Österreich
    Tatjana

    • 8. März 2013 22:20

      Liebe Tatjana, willkommen auf meinem Blog. Hab Dank für deinen ausführlichen und persönlichen Kommentar, er hat mich sehr gefreut!
      5 Kinder – wie wunderschön! Du hast Recht, Post hat keinesfalls an Aktualität verloren hier. Leider spielt bei der Kinderfrage wirklich allzu häufig das Finanzielle eine grosse Rolle. Auch bei uns ist das der Grund, wieso mein Mann sich auf keinen Fall ein weiteres Kind vorstellen kann. Und jetzt sitze ich täglich da, betrachte meine Kinder, versuche den Augenblick zu geniessen und nicht allzu sehr an die so schnell laufende Zeit zu denken. Es gelingt mir mal besser, mal weniger. Gerade im Moment sind die drei wieder unheimlich gewachsen, so über Nacht, da werde ich dann wieder ganz wehmütig. In solchen Momenten stelle ich mir dann meine ersten Enkel vor, das hilft ein wenig. 😉
      Ganz liebi grüäss und alles Liebe, anja

  5. C.S. permalink
    21. August 2014 15:33

    Und auch hier finde ich mich wieder. Dachte schon, meine Gedanken, Gefühle sind nicht normal. Schön zu lesen, das es anscheinend vielen Frauen so geht. Werde im September 41, habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Ja, der finanzielle Aspekt ist ein nicht zu unterschätzender. Jetzt können wir unseren Kindern ziemlich alles bieten aber was ist, wenn noch eins kommt? Müssen die anderen dann zurück stecken und möchte ich das überhaupt?? Fragen über Fragen und Sehnsüchte über Sehnsüchte. Jetzt, wo sich der Sommer wieder dem Herbst zuneigt, die Sonne schon etwas tiefer steht und der Blick oft gen Himmel schweift werden die Gedanken noch viel trauriger…Das kann es doch nicht gewesen sein !!

    • 21. August 2014 23:07

      Oh nein, du bist nicht alleine! Ich kenne noch einige Mamas, denen es so geht… Ich bin sehr dankbar, dass mein Herz im Moment tiefen Frieden hat bezüglich der Kinderfrage – ich kann schwangere Frauen und Neugeborene wieder ohne Tränen in den Augen ansehen und Blicke der Zukunft mit ein wenig mehr Freiheit mit Freude entgegen – und doch weiss ich, dass sich das blitzschnell wieder ändern kann. Es braucht manchmal so wenig…
      Tröstlich ist es aber, dass sich unsere Kinder höchst wahrscheinlich nicht irgendwann einfach aus unserer Welt schleichen, wenn sie ausziehen. Gerade heute habe ich in meinem Andachtsbuch folgende Worte des Journalisten Art Buchwalds gelesen: „Es gibt kein Kind, das in die grosse weite Welt hinausging, ohne gelegentlich mit einem Bündel schmutziger Kleider zu seiner Heimstätte zurückzukehren.“ Die Kinder werden grösser, die Beziehung wandelt sich und doch werden wir ihnen immer irgendwie eine Hilfe sein, das sehe ich auch in der Beziehung zwischen meiner Mutter und mir. Irgendwie tröstlich.
      Ganz liebi grüäss und fühl dich umarmt, wenn du magst, anja

      • C.S. permalink
        22. August 2014 11:42

        Ich mag 😉 Dein Wort in Gottes Gehörgang!! Ich werde nicht müde, meinem Grossen zu erklären, dass er nicht ausziehen braucht. Er kann gerne gaaaannnzzzzz lange zu Hause bleiben. Er ist sehr häuslich, niemand der draussen rumlungert oder mit irgendwelchen Jugendbanden um die Häuser zieht und Ärger macht. Ich werde bestimmt an diesem Empty Nest Syndrom erkranken :-(( Ganz schlimm dann auch Ratschläge wie : “ Na schaff dir doch einen Hund an oder such dir ein Hobby“,oder ähnliches 😦 Sowas braucht man dann nicht!! Es ist schön, das Du mit Dir (im Moment) im Reinen bist 🙂 War gestern Baby gucken, meine Nachbarin hat entbunden ( das Vierte). Ein Frühchen, nun aber zu Hause…oooohhhh was für ein süsses, kleines Herzchen. Ich hätte es am liebsten an mich gedrückt und mitgenommen. Nein, ich kann mit der Planung noch nicht abschliessen…noch nicht. Ein schönes Wochenende mit Deinen Lieben, wünsche ich Dir 🙂

      • 24. August 2014 21:46

        Und ich wünsche dir eine entspannte Woche, mit fröhlichem Herzen… Ganz liebi grüäss, anja

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