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Regenwetter oder Wenn der Blick zurecht gerückt wird

16. April 2012

Die letzten Wochen waren ziemlich vollgepackt. Da gab es Geburtstage, Schulbesuch, Putzparty (jaa, richtig gelesen *kicher*), Bewerbungsgespräch (und Zusage Jipiiii), viiiele Besuche und Gegenbesuche, einen neu eröffneten Blog, Treffen mit Freunden, sehr viel Draussen-Zeit und einen kurzzeitig ausgeflogenen Liebsten. Daneben noch den normalen Alltagswahnsinn mit drei Kindern und Haushalt. Wenn ich den Kalender betrachtete, sah es gar nicht nach so viel aus und es fühlte sich anfangs auch gar nicht anstrengend an. Ich war voll im Schuss, glaubte alles zu schaffen. Was für eine tolle Hausfrau ich doch war! 😛 Doch allmählich schlichen sich fast unbemerkt Müdigkeit, Gereiztheit und blankliegende Nerven in meine Tage und wurden zu fast allgegenwärtigen Begleitern.

Und dann ein Tag wie gestern. Regenwetter, der Grosse stark erkältet, wir alle drinnen in unserer kleinen Wohnung. Eigentlich beste Voraussetzungen für einen Miesepeter-Tag. Aber es kam ganz anders. Der gestrige Tag wurde zu einem faulen Sonntag, an dem gar nichts erledigt, sondern nur rumgelungert wurde. Es war ein Tag des Seins – Kindseins, Elternseins, Familieseins, Zusammenseins. Da war Zeit zum Spielen, Vorlesen, Kuscheln, Zeit für jedes einzelne Kind, Zeit für gemütliches Essen (einfach und schnell hergestellt), Zeit für abendliche Zweisamkeit, Zeit für gute und wichtige Gespräche über unsere Zukunft – Wohnwünsche, Berufswünsche, Kinderwünsche… Draussen der Regen, die Natur, welche aufatmete nach langer Trockenheit – Drinnen wir, ich, eine Last, die weg fiel und mich aufatmen liess.

Lange lag ich in der Nacht noch wach und sinnierte über den Tag. Was machte diesen einfachen Sonntag so besonders und wertvoll für mich? Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen vor den Augen:

Seit die Kleinste auf der Welt ist, habe ich versucht so schnell wie möglich wieder in den geregelten Alltagstrott zurückzufinden. Dieses Mal wollte ich es von Anfang an schaffen, Baby, Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen, Spielplatzbesuche etc.  unter einen Hut zu bringen. Es funktionierte auch erstaunlich gut und doch war da ein Gefühl des Nicht-Genügens. Ich genügte mir selber nie. Es ist so, dass ich mich oft selber sehr unter Druck setze , eine blitzsaubere Wohnung möchte, gesundes, vollwertiges Essen, gut versorgte und gutgelaunte Kinder, reibungslose Abläufe etc. etc. Die Liste lässt sich fast endlos verlängern. Hinzu kommt, dass ich sehr pingelig und kritisch bin. Bitte ja nichts Halbpatziges! Häufig gehen meine Gedanken in die Richtung: „Du solltest noch dies und das erledigen. Und jenes darfst du auch nicht vergessen. Und da liegt auch schon lange Unerledigtes herum, das solltest du auch noch… Wenn du dann alles geschafft hast, wird es besser, entspannter. Ganz sicher!“ Doch dieses Besser tritt nie wirklich ein. Es bleibt immer irgendwo in der Zukunft stecken.

Diesen Sonntag aber, habe ich einfach in den Tag gelebt, keine Pläne gemacht, den Moment mit der Familie genossen. Was schadet schon ein bisschen Staub in den Ecken und auf den Büchern, sich stapelndes dreckiges Geschirr, ein schmutziges Bad? Ich muss nicht alles schaffen, darf meine drei Kleinen geniessen und den Haushalt auch einmal Haushalt sein lassen. Wir müssen auch nicht immer von Anlass zu Anlass hetzen, und alle Freunde regelmässig sehen. Was kümmern uns solche, die das nicht verstehen? Ich habe ein Baby, das mich sehr in Beschlag nimmt, zwei Grosse, die auch nicht zu kurz kommen wollen und einen Mann, den ich auch einmal für mich alleine möchte. Es ist nicht immer schlecht, etwas auf die lange Bank zu schieben und einfach zu sein. Den Moment zu geniessen.

 

Im Kopf weiss ich das schon lange. Aber es braucht immer wieder solche Tage, die den Blick wieder gerade rücken auf das Wesentliche, die mich spüren lassen, was wichtig ist und was eben nicht. Ich bin dankbar für solche Regentage…

 

 

P.S. Solche Regentage beflügeln und lassen auch Raum für das notwendige Übel entstehen. So konnte ich heute in Windeseile und höchst motiviert das Bad putzen, in Gedanken noch ganz beim gestrigen Tag. Dafür gab es nur Resten zu Mittag und ich war nicht einkaufen. Und der Tag fühle sich auch um 18.00 Uhr noch entspannt an 😉

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5 Kommentare leave one →
  1. 17. April 2012 08:01

    Ach, das klingt schön!

    Als ich zuerst las „… Regentag in kleiner Wohnung…“ dachte ich schon oh-oh, das war sicher total stressig. Umso schöner, dass es doch ein guter Tag war, und dann noch ein so besonders guter.

    Das mit der Liste im Kopf kenne ich auch gut. Das und das und das müsste eigentlich noch erledigt werden… im Moment bin ich allerdings ganz gut im Aufschieben bzw. Abgeben, weil bei mir einfach nicht viel geht.

    Ich bin gespannt, wie es werden wird, wenn ich wieder fitter bin, dafür aber ein kleines Baby habe, was auch mit versorgt werden will!

    Alles Liebe!

  2. 17. April 2012 13:54

    Das klingt super! und ganz vertraut;-) Bei mir war es genauso dieses Wochenende… Glück, das einem überkommt und plötzliche Einsichten, die endlich endlich einmal vom Kopf ins Herz zu sickern scheinen (wo sie dann natürlich irgendwann wieder verschwinden, aber das Glück ist ja im Moment und nicht konservierbar…) Komisch, auch bei mir waren die letzten Wochen unheimlich … prall. Und ziemlich anstrengend, obwohl ich noch kein Baby habe und auch sonst nicht viele Termine (also eigentlich gar keine, um genau zu sein). Und manchmal wurde es schwierig für mich, mich selbst nicht zu verlieren bei allem, was ablief in unserer kleinen Familie, all den raumeinnehmenden Familiendetails… Wie schön, wenn wir alles mit wirklich leichtem, frohem Herzen erledigen können! Dann fühlt sich das, was uns eben noch als Pflicht und „Ich muss noch“ belastet hat, plötzlilch an wie eine einfache Aufgabe, die Sinn macht und vielleicht sogar Freude… Ach, ich hoffe, unsere Hochstimmung bleibt uns beiden noch ein wenig erhalten;-) Und das mit dem Haus nimmt mich jetzt schon seeeeeeeeeeeehr wunder! Kannst du mir nicht vielleicht noch ein bisschen mehr verraten? Vielleicht in einer kleinen mail? das wäre supernett von dir, denn ich bin ja soooooooooo neugierig, weisst du… Und ja selber auf der Suche, fast täglich irgendwie…
    Alles, alles Liebe! Und geniess deine innere Freiheit! Und… was für eine Zusage hast du denn gekriegt- oder wars dein Liebster? (*neugierig guck*)
    bis dann!
    Bora

    • 19. April 2012 22:33

      Ja, vom Kopf ins Herz… Oft so ein langer Weg, trotz kurzer Distanz!
      Ich erzähle dir am Sonntag von unserer Suche und dem Häuschen, okay? Schaffe es im Moment gerade nicht mit Mail und so.
      Und ja, ich habe die Zusage gekriegt für eine neue Teilzeitstelle, 20min von hier. Nach den Sommerferien. Ich freue mich sehr, aber irgendwie auch nicht so sehr… 😉 Ich erzähle dir alles sonntags, gell!
      Ganz ganz liebi grüäss, anja

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